
Strukturierte Daten SEO: Sinnvoller Code oder Overkill?

Sobald das Ticket für Strukturierte Daten SEO im Backlog landet, ist die Begeisterung bei uns Entwicklern meist überschaubar. Noch ein Script-Tag? Noch mehr Metadaten pflegen? Wir haben doch schon OpenGraph für Social Media. Reicht das nicht?
Kurze Antwort: Nein. Lange Antwort: Es ist der einzige Weg, wie ihr direkt mit der Datenbank von Google kommunizieren könnt. Ihr müsst euch das so vorstellen: Euer HTML ist für den Browser (Visualisierung). JSON-LD ist für den Crawler (Datenbank-API).
Wenn ihr Google keine strukturierten Daten liefert, muss der Bot raten: "Ist das hier ein Preis? Oder eine Telefonnummer? Ist das ein Event-Datum oder das Veröffentlichungsdatum des Artikels?" Google rät oft falsch. Und genau deshalb sieht euer Suchergebnis dann aus wie eine langweilige Textwüste, während die Konkurrenz mit Sternchen-Bewertungen, Bildern und Preisen glänzt.

JSON-LD: Die einzige Sprache, die zählt
Vergesst "Microdata" oder das Reinfummeln von Attributen in eure div-Tags (itemscope, itemtype...). Das ist Steinzeit-Technik und macht euren HTML-Code unlesbar. Google empfiehlt heute ganz klar JSON-LD. Das ist ein strikter JavaScript-Block, der isoliert im <head> oder am Ende des <body> liegt. Er stört das Rendering nicht und ist für uns Devs super einfach per Backend dynamisch zu generieren.
So sieht das in der Praxis aus
Stellt euch vor, ihr habt eine Detailseite für ein Software-Produkt. Ohne Schema sieht Google nur Text. Mit Schema gebt ihr Google das hier:
HTML
1<script type="application/ld+json">
2{
3 "@context": "https://schema.org/",
4 "@type": "SoftwareApplication",
5 "name": "SuperApp 3000",
6 "applicationCategory": "BusinessApplication",
7 "operatingSystem": "Windows, macOS",
8 "offers": {
9 "@type": "Offer",
10 "price": "49.99",
11 "priceCurrency": "EUR"
12 },
13 "aggregateRating": {
14 "@type": "AggregateRating",
15 "ratingValue": "4.8",
16 "ratingCount": "1250"
17 }
18}
19</script>Was passiert dadurch? Google zeigt in den Suchergebnissen plötzlich 4.8 Sterne und den Preis 49.99 EUR an. Die Klickrate (CTR) schießt nach oben, obwohl sich euer Ranking vielleicht gar nicht verändert hat. Mehr Traffic bei gleichem Ranking – das ist der eigentliche Hack beim Strukturierte Daten SEO.
Dynamik statt Statik: Automatisieren!
Der häufigste Fehler, den ich in Code-Audits sehe: Entwickler kopieren diese JSON-Blöcke hardcodiert in die Templates. Das ist tödlich. Wenn sich der Preis im Shop ändert, stehen im JSON-LD noch die alten Daten. Google merkt diese Diskrepanz und straft euch ab (wegen "irreführenden Daten").
Für sauberes Strukturierte Daten SEO müsst ihr die Werte direkt aus euren Model-Objekten ziehen.
Beispiel (PHP / Laravel Blade):
HTML
1<script type="application/ld+json">
2{
3 "@context": "https://schema.org",
4 "@type": "Product",
5 "name": "{{ $product->title }}",
6 "description": "{{ $product->short_description }}",
7 "offers": {
8 "@type": "Offer",
9 "price": "{{ $product->price }}",
10 "availability": "{{ $product->isInStock() ? 'https://schema.org/InStock' : 'https://schema.org/OutOfStock' }}"
11 }
12}
13</script>So ist das Ganze wartungsfrei. Ändert sich der Lagerbestand in der Datenbank, ändert er sich auch für Google.

Welche Schemas lohnen sich wirklich?
Die Dokumentation von Schema.org ist riesig und verwirrend. Ihr müsst nicht alles implementieren. Konzentriert euch auf die Typen, die Google auch wirklich mit einem "Rich Result" belohnt:
Product: Für Shops. Pflicht: Preis, Währung, Verfügbarkeit.
BreadcrumbList: Zeigt die Pfad-Struktur in der Suche an (statt der nackten URL). Extrem einfach zu bauen, großer Effekt.
FAQPage: Ihr habt eine FAQ-Sektion? Zeichnet sie aus! Google zeigt die Fragen und Antworten oft direkt unter eurem Suchergebnis an. Das verdrängt die Konkurrenz optisch nach unten.
Article / NewsArticle: Pflicht für Blogs. Hier gehören das Veröffentlichungsdatum (
datePublished) und der Autor rein.
Pro-Tipp: Nutzt das "Rich Results Test"-Tool von Google während der Entwicklung. Verlasst euch nicht darauf, dass der Code "gut aussieht". Copy-Paste das gerenderte HTML in das Tool und schaut, ob Google meckert.
Fazit: Das ist kein Overkill, das ist Standard
Vielleicht fühlt es sich am Anfang nach Mehrarbeit an. Aber Strukturierte Daten SEO ist heute Hygienefaktor. Wer es nicht macht, lässt die einfachsten Klicks liegen. Eure Applikation hat die Daten sowieso – warum solltet ihr sie vor Google verstecken?
Ihr habt jetzt sauberes HTML, funktionierendes JS-Rendering und perfekte Metadaten. Aber woher wisst ihr, ob das beim nächsten Deployment nicht alles wieder kaputtgeht?
Genau. Ihr braucht Tests.
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Wir haben jetzt sauberes HTML, perfektes Rendering und valide strukturierte Daten. Aber Code lebt. Ein hektischer Hotfix am Freitagnachmittag, ein unachtsamer Merge – und plötzlich sind alle Canonical-Tags weg. Bis ihr das in der Search Console merkt, ist der Traffic schon eingebrochen.
Im nächsten Teil schaffen wir das manuelle Testen ab. Wir integrieren Lighthouse und SEO-Unit-Tests direkt in eure CI/CD-Pipeline (z.B. GitHub Actions). Das Ziel: Wenn der SEO-Score unter 90 fällt, schlägt der Build fehl und der Code kommt gar nicht erst auf den Live-Server.
Nächster Artikel: Technisches SEO Audit – Die QA-Checkliste für Entwickler

Dietrich Bojko
Senior Webentwickler
Webinteger arbeitet seit vielen Jahren produktiv mit Linux-basierten Entwicklungsumgebungen unter Windows.
Der Fokus liegt auf performanten Setups mit WSL 2, Docker, PHP, Node.js und modernen Build-Tools in realen Projekten – nicht auf theoretischen Beispielkonfigurationen.
Die Artikel dieser Serie entstehen direkt aus dem täglichen Einsatz in Kunden- und Eigenprojekten und dokumentieren bewusst auch typische Fehler, Engpässe und bewährte Workarounds.


