
Lighthouse vs. reale Nutzerdaten: Warum ein 100er Score lügen kann

Es ist der Traum jedes Website-Betreibers: Ein grüner Kreis mit einer stolzen "100" in Google PageSpeed Insights. Viele Agenturen verkaufen genau das. Doch wenn wir uns den Vergleich Lighthouse vs. reale Nutzerdaten ansehen, erleben wir oft eine böse Überraschung. Da ist die Website, die im Test 100 Punkte hat, sich aber auf dem Handy zäh anfühlt. Und da ist der große Online-Shop, der nur 60 Punkte erreicht, aber blitzschnell lädt und bei Google auf Platz 1 rankt.
Wie kann das sein? Die Antwort liegt im Unterschied zwischen Theorie (Labor) und Praxis (Feld). Wer nur für den Score optimiert, optimiert oft am Nutzer vorbei. Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen wir verstehen, wem Google mehr glaubt: Dem simulierten Test oder den echten Besuchern?

1. Lighthouse: Der Test im Windkanal
Google Lighthouse (das Tool hinter dem PageSpeed-Score) ist ein Labortest (Lab Data). Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln ein Auto. Lighthouse ist der Windkanal. Hier herrschen perfekte Bedingungen: Kein Verkehr, kein Regen, keine Schlaglöcher. Lighthouse simuliert einen Besuch auf Ihrer Seite mit einem vordefinierten Gerät (meist ein Mittelklasse-Smartphone) und einer gedrosselten Internetleitung.
Wofür Lighthouse gut ist:
Es ist perfekt zum Debuggen während der Entwicklung.
Es liefert sofortiges Feedback, ohne dass echte Nutzer auf der Seite sein müssen.
Es hilft, theoretische Fehler im Code zu finden.
Das Problem: Lighthouse weiß nicht, dass Ihr Nutzer gerade im Zug durch einen Tunnel fährt oder dass er einen 5 Jahre alten Laptop mit 20 offenen Tabs nutzt.

2. Reale Nutzerdaten: Die Fahrt im Berufsverkehr
Im Gegensatz zum Labor stehen die Felddaten (Field Data). Das sind die Daten, die Google über den Chrome-Browser von echten Nutzern sammelt. Diese Daten landen im sogenannten Chrome User Experience Report (CrUX). Das ist keine Simulation. Das ist die Realität.
Beim Vergleich Lighthouse vs. reale Nutzerdaten gewinnt für Google immer die Realität.
Wenn Lighthouse sagt: "Die Seite sollte in 1 Sekunde laden".
Aber Ihre Nutzer sagen (durch ihr Verhalten): "Bei uns dauert es 4 Sekunden, weil wir schlechtes 4G haben".
...dann wird Google Sie für die 4 Sekunden ranken (und bestrafen).
Das nennt man RUM (Real User Monitoring). Die Core Web Vitals Bewertung in der Google Search Console basiert ausschließlich auf diesen echten Daten.

3. Warum mein Score grün ist, aber die Core Web Vitals rot
Das ist die häufigste Frage, die wir hören: "Ich habe 95 Punkte mobil, warum sagt die Search Console 'Nicht bestanden'?" Hier sind die Gründe, warum Lighthouse vs. reale Nutzerdaten oft nicht übereinstimmen:
Interaktion fehlt im Labor: Lighthouse lädt die Seite nur, klickt aber nicht herum. Der neue Core Web Vital Wert INP (Interaction to Next Paint) misst aber Klicks. Lighthouse kann INP nur schätzen, reale Nutzer erleben ihn.
Der Cache-Effekt: Lighthouse testet oft einen "Cold Load" (erster Besuch). Ihre echten Nutzer kommen vielleicht öfter wieder und haben Bilder schon im Cache. Hier sind die realen Daten oft besser als das Labor.
Cookie-Banner & Popups: Lighthouse klickt keine Cookie-Banner weg. Reale Nutzer schon. Oft verschiebt sich dabei das Layout (CLS), was Lighthouse gar nicht bemerkt.

Fazit: Optimieren Sie für Menschen, nicht für Bots
Der Vergleich Lighthouse vs. reale Nutzerdaten lehrt uns eines: Der Score ist ein Kompass, aber nicht das Ziel. Ein 100er Score bringt Ihnen keinen einzigen Euro Umsatz, wenn die echten Nutzer genervt abspringen.
Unsere Empfehlung:
Nutzen Sie Lighthouse beim Bauen der Seite.
Nutzen Sie die CrUX-Daten (Search Console) zur Bewertung des Erfolgs.
Ignorieren Sie Vanity-Metriken. Wenn der Score 85 ist, aber die Conversions steigen und die Core Web Vitals grün sind, haben Sie gewonnen.
Jetzt wissen wir, wie wir messen und wo die technischen Fallstricke liegen. Aber manchmal muss es einfach schnell gehen. Sie haben keine Zeit für wochenlanges Refactoring?
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Wir haben viel Theorie gewälzt. Server-Logs, Render-Blocking, CrUX-Berichte. Puh. Manchmal braucht man aber einfach schnelle Ergebnisse für das nächste Meeting oder den Launch.
Im nächsten Teil unserer Web Performance Masterclass servieren wir Ihnen die Top 10 Quick Wins. Das sind Maßnahmen, die Sie oft in weniger als 30 Minuten umsetzen können, um sofort spürbare Effekte zu erzielen.
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Dietrich Bojko
Senior Webentwickler
Webinteger arbeitet seit vielen Jahren produktiv mit Linux-basierten Entwicklungsumgebungen unter Windows.
Der Fokus liegt auf performanten Setups mit WSL 2, Docker, PHP, Node.js und modernen Build-Tools in realen Projekten – nicht auf theoretischen Beispielkonfigurationen.
Die Artikel dieser Serie entstehen direkt aus dem täglichen Einsatz in Kunden- und Eigenprojekten und dokumentieren bewusst auch typische Fehler, Engpässe und bewährte Workarounds.


