
Core Web Vitals einfach erklärt: Was Entwickler und Kunden wissen müssen

Stellen Sie sich vor, Google wäre ein Restaurantkritiker. Früher (sagen wir, bis 2020) hat dieser Kritiker hauptsächlich die Speisekarte bewertet: "Gibt es hier Pizza? Steht das richtige Keyword auf der Karte?" Das Essen musste nur da sein.
Heute, im Jahr 2026, reicht das nicht mehr. Der Kritiker bewertet jetzt das gesamte Erlebnis:
Wie schnell stand das Essen auf dem Tisch?
War der Kellner höflich oder hat er Sie ignoriert?
Hat der Tisch gewackelt, während Sie essen wollten?
Genau das sind die Core Web Vitals. Sie sind der technische Maßstab für die Google Page Experience. Google möchte nicht nur wissen, was auf Ihrer Seite steht, sondern wie angenehm es ist, dort zu sein. Für Sie als Website-Betreiber bedeutet das: Wer diese UX Signale ignoriert, wird im Ranking abgestraft – egal wie gut der Content ist.
In diesem Artikel werden die Core Web Vitals erklärt – und zwar so, dass Sie kein Informatikstudium brauchen, um sie zu verstehen.

1. LCP (Largest Contentful Paint): Das "Wann-geht's-los"-Gefühl
Der erste Wert ist der LCP. Viele denken, hier geht es um die Ladezeit der gesamten Website. Das ist falsch. Der LCP misst, wie lange es dauert, bis das wichtigste Element im sichtbaren Bereich (Above the Fold) fertig geladen ist. Das ist meistens das große Titelbild, die H1-Überschrift oder ein Video.
Denken Sie an einen Händedruck zur Begrüßung. Ein fester, schneller Händedruck schafft Vertrauen. Ein schlaffer Händedruck, auf den man 5 Sekunden warten muss, wirkt unprofessionell.
Der Idealwert: Unter 2,5 Sekunden.
Das Problem: Oft blockieren riesige Hintergrundbilder oder langsam ladende Schriftarten diesen Moment. Der Nutzer starrt auf eine weiße Fläche.
Die Folge: Er ist weg, bevor er „Hallo“ sagen konnte.

2. INP (Interaction to Next Paint): Die Reaktionszeit
Vielleicht haben Sie früher vom FID (First Input Delay) gehört. Vergessen Sie ihn. Seit 2024 ist INP der neue Standard – und er ist strenger.
INP misst die Reaktionsfähigkeit Ihrer Seite auf Nutzereingaben. Stellen Sie sich vor, Sie klicken auf einen Button "In den Warenkorb".
Gutes INP: Der Button zuckt kurz, ändert die Farbe oder ein Lade-Spinner erscheint sofort. Sie wissen: "Aha, verstanden."
Schlechtes INP: Sie klicken... und nichts passiert. Eine Sekunde vergeht. Sie klicken nochmal (wütend). Plötzlich passiert es zweimal.
Eine Website mit schlechtem INP fühlt sich an wie ein Gesprächspartner, der Sie anstarrt und erst nach drei Sekunden Antwort gibt. Es wirkt kaputt und träge. Besonders auf Handys mit schwächeren Prozessoren ist INP oft der kritischste der Ranking Faktoren 2026.
Der Idealwert: Unter 200 Millisekunden.

3. CLS (Cumulative Layout Shift): Die visuelle Stabilität
Das ist der nervigste aller Fehler. Sie wollen gerade einen Artikel lesen, und plötzlich springt der Text fünf Zeilen nach unten, weil darüber noch ein Werbebanner nachgeladen wurde. Oder schlimmer: Sie wollen auf "Abbrechen" klicken, aber der Button verschiebt sich und Sie klicken versehentlich auf "Kaufen".
Der CLS misst genau diese unerwarteten Verschiebungen. Er summiert auf, wie viel sich bewegt und wie sehr das den Nutzer stört. Eine stabile Seite ist wie ein Haus auf festem Fundament. Eine Seite mit hohem CLS ist ein Kartenhaus im Wind.
Der Idealwert: Unter 0,1.
Häufige Ursache: Bilder ohne Breiten- und Höhenangaben (
width&heightim HTML) oder Schriftarten, die nachträglich ihre Größe ändern.

Warum diese 3 Buchstaben über Ihren Umsatz entscheiden
Warum macht Google das? Weil Google Nutzer glücklich machen will. Eine Seite, die schnell lädt (LCP), sofort reagiert (INP) und ruhig steht (CLS), macht Nutzer glücklich. Und glückliche Nutzer kaufen mehr.
Wenn die Core Web Vitals erklärt sind, verstehen Sie hoffentlich eines: Es geht hier nicht um technische Spielerei für Entwickler. Es geht um knallhartes Business.
SEO: Seit dem "Page Experience Update" sind diese Werte direkte Ranking-Faktoren.
Conversion: Zalando fand heraus, dass 100ms weniger Ladezeit den Umsatz pro Session um 0,7% steigerten. Rechnen Sie das mal auf Ihr Jahr hoch.
Die Theorie sitzt. Aber wie beheben wir die roten Warnmeldungen in der Google Search Console? Wie reparieren wir einen schlechten LCP oder einen wackeligen CLS? Genau darum geht es im nächsten Teil.
Teil der Serie
Website Performance Masterclass
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
So geht es weiter: Vom Verstehen zum Handeln
Die Theorie ist wichtig, aber die Praxis bringt die Ergebnisse. Vielleicht haben Sie jetzt Panik, weil Ihre Werte nicht im grünen Bereich sind. Keine Sorge.
Im nächsten Teil unserer Serie "Web Performance Masterclass" legen wir den Arztkittel ab und ziehen den Blaumann an. Wir schauen uns die typischen Fehlermeldungen an und zeigen konkrete Lösungen für LCP, INP und CLS.
Nächster Artikel: LCP, CLS, INP – Typische Fehler und Lösungen

Dietrich Bojko
Senior Webentwickler
Webinteger arbeitet seit vielen Jahren produktiv mit Linux-basierten Entwicklungsumgebungen unter Windows.
Der Fokus liegt auf performanten Setups mit WSL 2, Docker, PHP, Node.js und modernen Build-Tools in realen Projekten – nicht auf theoretischen Beispielkonfigurationen.
Die Artikel dieser Serie entstehen direkt aus dem täglichen Einsatz in Kunden- und Eigenprojekten und dokumentieren bewusst auch typische Fehler, Engpässe und bewährte Workarounds.
